Kulturfahrt nach Xanten am 2. August 2017 - Römische Technik und mittelalterlicher Neubeginn Dinklage: Die dritte Kulturreise des Heimatvereins nach Xanten ließ die Mitreisenden Brüche in der 2000 Jahre alten Technik- und Kulturgeschichte anschaulich erleben. Germanische Barbaren vernichteten Römische Baukunst  und es dauerte fast 1000 Jahre, das Wissen neu zu erarbeiten.

 

Auf dem Stadtrundgang in Xanten sahen wir eine aus römischem Abbruchmaterial erstandene mittelalterliche Stadt, die aus einem klerikalen Innenbereich und einer umgebenden Bürgerstadt bestand. Ein imposantes Stadttor, wiederaufgebaute Teile der Stadtmauer und der trockengelegte Wassergraben ließen die ehemalige Größe erahnen. Lange nach der Vertreibung der Römer kamen die Franken und begannen die Stadt Xanten aufzubauen. Das Baumaterial holten sie aus der nebenliegenden Römerstadt. Der gewählte Standort war die Hinrichtungsstätte des heiligen Viktor. Der Name Xanten stammt von „ad santos“ ab; bei den Heiligen. Begüterte Stiftsherren, der Kölner Erzbischof und reiche Kaufleute sorgten später für Xantens Wohlstand.

Nicht nur Siegfried aus dem Nibelungenlied wurde hier geboren, auch Clemens August Kardinal von Galen hat hier 1936 ein eindrucksvolles Zeugnis hinterlassen. Er predigte über das Verhältnis von Gehorsam und Gewissen im nationalsozialistischen Staat. Nur im Einklang mit Gottes Willen habe die Obrigkeit Befehlsgewalt. Ohne Gerechtigkeit für alle in der Gesellschaft werde sie auf die Stufe einer Räuberbande herabgedrückt. „Es gibt in deutschen Landen frische Gräber, in denen die Asche solcher ruht, die das Deutsche Volk für Märtyrer hält." Ein großes Fenster im Dom erinnert heute an Clemens August.

Nach dem Mittagessen in einer römischen Herberge begann die Führung durch die, um 100 von Kaiser Trajan gegründete Stadt „Colonia Ulpia Traiana“. Beeindruckend sind die Ausmaße der einst von ca. 15000 Menschen bewohnten Römerstadt. Alle waren erstaunt, dass die Römer schon in so früher Zeit eine Garnisonsstadt am Rhein mit einer steinernen Stadtmauer, mit riesigen Tempelanlagen, mit Thermen für alle und dem 5000 Zuschauer fassenden Amphitheater bauen konnten. Steinhäuser mit Fußboden- und Wandheizung, Frischwasserleitungen, Abwasserkanäle, öffentliche Toiletten, Krananlagen, florierende Handwerksbetriebe, eine Schiffswerft und ein rechtwinkliges Straßennetz bestimmten das Stadtbild. Leider wussten die Franken nach der Eroberung der „Colonia Ulpia Traiana“ im Jahre 275 mit der römischen Baukunst und Technik nichts anzufangen und benutzten die Gebäude als Steinbruch.

Beim Kaffeetrinken in einem Rhein-Café diskutierten einige noch über die Zerstörung der römischen Stadt und dem damit einhergehenden Wissens- und Technikverlust für einen Zeitraum von über 1000 Jahren.  

Hans Hoymann, Femeweg 21, 49413 Dinklage, 04443 9774566

       
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