Der knallharte Kampf um die Bünner Windmühle

 

Im Landesarchiv Oldenburg sind alte Dokumente für das Oldenburger Münsterland jetzt besser erschlossen worden

Bünner Windmühle

Dinklage/Oldenburg. Knallhart ging es zur Sache: Am 28. September 1628 gerieten „Soldaten und bewaffnetes Volk“ auf dem Bünner Mühlenberg aneinander. Bei der Schlacht um den Neubau einer Windmühle verloren einige der Männer ihr Leben, viele andere wurden verwundet. Die bereits in Teilen errichtete Mühle wurde zerstört und abgetragen.

Der Vechtaer Heimatforscher Reinhard Arkenau hat die spannenden Hintergründe dieser Geschichte schon 2007 erforscht und im Mitteilungsblatt „Utkiek“ des Heimatvereins Dinklage veröffentlicht. Zwei Herren, die auf den Dinklager Burgen wohnten, waren dabei aneinander geraten: Johann von Dinklage auf der Hugoburg und Dietrich Ledebuhr auf der Dietrichsburg hatten sich in einem jahrelang anhaltenden Rechtstreit verheddert. Johann, selbst Besitzer der Wassermühle auf Burg Dinklage, wollte nicht, dass Ledebuhr in Bünne die Mühle errichtete.

Die juristischen Verzwickungen, die auch zu vielen Irritationen und Missverständnissen führten, ließen Johann schließlich zum – aus seiner Sicht wohl gerechtfertigten - Angriff auf den Mühlenbau schreiten. Hilfe kam dabei von seinem Schwager, dem Bakumer Gutsherrn Bernd Gyr Voß. Der Schluss der Geschichte ist mit Arkenau schnell erzählt: von Dinklage und Voß mussten eine saftige Geldstrafe zahlen. Was den Streit aber nicht beendete, denn die Kontrahenten zerschlugen sich anschließend noch die jeweiligen Kirchenstühle in der damaligen Dinklager Burgkapelle.

Soviel zu diesem Streitfall, der uns aber zugleich auf die Spur eines bedeutenden historischen Dokumentenschatzes für das Oldenburger Münsterland führt, der im Landesarchiv Oldenburg jetzt weitgehend aufgearbeitet ist. Archivar Martin Schürrer berichtet darüber in der neuen Ausgabe des NLA-Magazins (Nachrichten aus dem Niedersächsischen Landesarchiv) 2021.

Es handelt sich um den Bestand 117 im Landesarchiv Oldenburg mit der eher trockenen Bezeichnung „Münsterische Gerichtsbehörden und Notariate 1532 – 1817“. Hier sind auch unter der Rubrik „Prozesse mit Bezug zur Herrlichkeit Dinklage“ jene Windmühlen-Akten zu finden, mit denen sich die Gerichts- und Amtsbehörden zwischen 1625 und 1631 auseinanderzusetzen hatten.

Eine „umfangreiche Nacherschließung“ des gesamten Bestandes, so Schürrer, hat nun stattgefunden. Und so lassen sich jetzt viele Dokumente im Internet über das Archivsystem „Arcinsys“ leichter finden, die 1803 im Zuge des Überganges des früheren Niederstiftes Münster (Clopppenburg/Vechta) an das Herzogtum Oldenburg an die oldenburgischen Behörden übergeben worden waren. Man erhält über die Suche im Arcinsys-Navigator (www.arcinsys.niedersachsen.de) detailliertere Angaben zu den Inhalten der einzelnen Prozess- oder Verwaltungsakten. Wer mehr wissen will, muss dann das Archiv in Oldenburg besuchen.

Was Dinklage betrifft, handelt es sich zum Beispiel um Verfahren vor dem Patrimonialgericht der Herrlichkeit Dinklage aus der Zeit der Freiherren und Grafen von Galen bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Da streitet dann die Bauerschaft Langwege 1808 mit dem Grafen von Galen um die Besetzung einer Nebenlehrerstelle an der Schule. Und immer wieder gibt es Auseinandersetzung um das Recht des Plaggenstechens.

Vor dem Cloppenburger Gericht setzen sich 1793 der Freiherr von Frydag und der Zeller Grave über Zehntausgaben auseinander. Und vor dem Münsterschen Hofgericht klagen 1660 die Kaufleute Heinrich Schütte und Heinrich Meyer aus Osnabrück gegen Johann von Dorgelo zu Brettberg um die Begleichung von Warenrechnungen.

Das alles sind nur kleine Auszüge aus einem jetzt besser erschlossenen Aktenbestand, der uns wichtige Aufschlüsse geben kann über die gesellschaftliche Verfasstheit unserer Region in der frühen Neuzeit. Am Ende landen wir dann sogar wieder in Dinklage: Die Beamten des Amtes Vechta streiten sich 1637 mit einem Caspar von Ledebur zu Dinklage um die rechtlichen Zuständigkeiten in der Wiek (im Ort) Dinklage. Da gab es wohl Probleme - auch mit den „Strafen bei verübten Mordtaten“.

Text und Foto: Andreas Kathe Dinklage

       
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